Umm Qais

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Umm Qais

 

Umm Qais gehörte neben neun weiteren Städten zur Dekapolis. Ab dem 7.Jhd. v.Chr. war das Dorf ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Damaskus und Amman
für Handels- und Diplomatentouren. Das fruchtbare, grüne Umm Qais (in der Antike „Gadara“), liegt auf dem Gipfel mehrerer Hügel etwa 110 km nördlich von
Amman im Dreiländereck zwischen Israel, Syrien und Jordanien. Die Aussicht auf den israelischen See Genezareth im Westen und
die israelisch besetzten Golanhöhen im Norden ist einzigartig. Hier hat laut dem Evangelium nach Matthäus Jesus zwei Besessene von ihren Dämonen befreit,
was Gadara in frühchristlicher Zeit zur Pilgerstätte machte. 

Gegründet wurde die Stadt von den Griechen. Von der ptolemäischen Herrschaft ging es in seleukidische über. 98 v.Chr. wurde die Stadt nebst mehreren anderen
im Ostjordanland von Hasmonäern vernichtet, die in Judäa einen jüdischen Staat gegründet hatten. 34 Jahre später ging Gadara unter
Konsul Pompeius ans Römische Reich.
Unter König Herodes schenkten die Römer die Stadt jenem Schreckensherrscher, was viele Einwohner verzweifeln ließ und vertrieb. Nach seinem Tod
im Jahre 4 v.Chr. ging die Stadt wieder zurück in römische Hand und wurde Teil der römischen Provinz Syrien, wo sie ihre Blütezeit als Künstlerstadt erlebte.
Aus dieser Zeit kann man noch einige Bade-Becken sehen. In christlicher, byzantinischer Zeit (4.-7.Jhd.) wurde Umm Qais Bischofssitz.
Beim Erdbeben im 8.Jhd., das die ganze Region schwer traf, wurde Umm Qais ebenfalls schwer beschädigt. In der Folgezeit lebten nur noch wenige Menschen
in der Umgebung der Stadt. Die Häuser, die später wieder aufgebaut wurden, erkennen Sie an den verschiedenen Steinen, die von verschiedenen Ruinen
zusammengetragen und „recycelt“ wurden. 

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nahm sich das „Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes“ der Ausgrabungen
der Stadt an und siedelte die Einwohner um. Dieses Prozedere fand in vielen Städten Jordaniens in den vergangen Jahrzehnten statt.
Die Regierung oder die an den Ausgrabungen beteiligten Organisationen unterstützten die Bewohner dafür finanziell (z.B. stellten sie ihnen Häuser
in sicherer Entfernung zur Verfügung oder sie erhielten besondere Steuerregelungen).
Der Parkplatz, an dem Sie ankommen, liegt unterhalb des ehemaligen Nordtheaters. Die Osmanen nutzten den Hang als Steinbruch für ihre Häuser.

 

Der Rundgang durch Umm Qais

Wenn Sie das Gelände betreten, kommen Sie am ehemaligen, gut erhaltenen Westtheater vorbei. Von Innen sehen Sie heute noch, wie es früher ausgesehen hat,
als Politiker hier Reden hielten. Von dort aus sehen Sie die Ruine und Säulen einer byzantinischen Kirche mit Atrium.
Dann laufen Sie durch eine antike Ladenstraße mit teils gut erhaltenen Geschäftsräumen. Erfrischenden Schatten finden Sie in Umm Qais unter zahlreichen
Olivenbäumen oder riesigen Kaktus-Gewächsen. Im Sommer ist Umm Qais besonders angenehm, weil hier ein angenehmes Lüftchen weht und
die Natur wirkt mediterran.
Die antike Hauptstraße („Decumanus“) mit ihren schweren, schwarzen Pflastern führt Sie zu einem Nymphäum, das von einem Aquädukt gespeist wurde.
Umm Qais verfügte seit dem 4.Jhd. auch über ein Mausoleum, dessen Substanz mit der Zeit allerdings etwas litt. 

Heutige Besucher werden hier nicht nur von den massiven Gebäuden der Vergangenheit, sondern auch von den Ereignissen der Gegenwart fasziniert, obwohl
die Stimmung hier sehr friedlich ist.
Bei Interesse können Sie das nahe gelegene Museum „Beit Rusan“ besichtigen, das Montag bis Mittwoch
tagsüber geöffnet hat. Ausgestellt werden hier Funde aus der Anfangszeit von Umm Qais.